







Monika und Christian wollen unbedingt Meeresschildkröten sehen und fahren dafür heute an den Turtle Beach. Jürgen und ich sind nicht in Strandlaune und die Biester lassen sich bestimmt auch nicht blicken. Wir machen uns auf zu der Tour durch das östliche Hadjar Gebirge, an der auch die Beehive Tombs, die Bienenstockgräber, zu besichtigen sind. Der Einstieg dazu liegt an der Küste, weiter nördlich der jetzigen Position und auch des Wadi Tiwi und des allseits bekannten und malerisch schönen Wadi Shab.
Der Stadt Sur statten wir noch einen Besuch ab, um in der Hauptsache eine Dhau-Werkstatt zu besuchen. Dhaus sind die traditionellen Schiffe des Sultanats. Hin und wieder sieht man die markanten Schiffe auch auf dem Meer. Gegen Eintrittsgebühr kann man das kleine und gut kuratierte Museum besuchen und 3 Handwerkern bei der Arbeit zusehen, die allerdings lediglich mit dem Schnitzen der Ornamente beschäftigt sind. Schiffsbauer waren nicht am Werk, der Rumpf des stattlichen Ausstellungsschiffes ist bereits weit gediegen. Beim Blick in den Rumpf kann man den Aufbau durch Rippen betrachten. Viele unterschiedliche Hölzer braucht es, um ein Schiff zu bauen, lerne ich. Eine kleinere Dhau in einem fortgeschrittenen Stadium gibt es auf dem Gelände auch noch, an der ebenfalls nicht gearbeitet wird.
Zurück auf der Straße in Sur lässt uns ein Hinweisschild ‚Old souq‘ auch gleich die Fährte aufnehmen. Fündig wurden wir allerdings nicht. Ich habe schon fast den Verdacht, dass es im Oman keine alten traditionellen Souks gibt wie in anderen arabischen Ländern, sondern im Oman Geschäfte in Einkaufsstraßen ‚souq‘ genannt werden. Die Straßen sind gerade leergefegt. Die Geschäfte öffnen erst wieder um 1600 Uhr. Letztendlich landen wir beim Pakistani beim Essen.
Von der Straße aus haben wir zufällig einen guten Blick auf das ins abendliche Licht gehüllte Mausoleum von Bibi Maryam in Qalhat. Qalhat war vor 1500 ein wichtiges Handelszentrum zu Indien.
Am nächsten Tag fahren wir Richtung Beehive Tombs von Jaylah. Die Tour umfasst in seiner Länge 120 Kilometer und geht von 0 auf 1800 Höhenmeter auf teils betoniertem, teils natürlichem Untergrund. Die Steigungen sind beachtlich, aber machbar und die Haarnadelkurven, vor denen größere Fahrzeuge gewarnt werden, konnten wir bisher noch in einem Zug fahren. An einer Stelle wurde die Straße gerade neu betoniert. Dazu wird ein herkömmlicher Betonmischer verwendet und Beton mühsam mit Handschaufel auf den Lader geschippt. In den Bergdörfern sind ein paar wenige Menschen unterwegs und zahlreiche Ziegen strömen aus jeder Ritze. Nach zirka ein Drittel der Strecke entdecken wir auf dem Salmah Plateau abseits der Route bereits die ersten Beehive Tombs, die wir interessiert ansteuern. Wir übernachten hier und morgen folgen die nächsten Bienenstockgräber. Sie stehen nur ein paar Kilometer weiter.
Um genau zu sein: 3 Kilometer weiter stehen nochmal Beehive Tombs, von denen angenommen wird, dass sie bereits 3000 Jahre alt sind. Viel weiß man nicht von den Nekropolen. In den Bergen gegenüber sieht man auch nochmal welche. Und nochmal. An der zweiten Stelle sind ein paar mehr der Überreste von Gräbern zu sehen. Außerdem finden sich nahezu unversehrte Grabtürme, die wahrscheinlich archäologisch übereifrig frisch und exakt aufgeschichtet wurden, wie drüben auch. Über uns soaren die beiden Schmutzgeier. Ein hübscher Esel besucht uns und hält sich den ganzen Tag im Umkreis auf. Esel kommen kaum noch zum Einsatz und werden deshalb von ihren Besitzern häufig freigelassen. In dieser Region sieht man sie schon mal öfter. Die Landschaft ist unwahrscheinlich schön. Tagsüber ist es sonnig und warm. Ab Spätnachmittag zieht starker Wind auf und es frischt deutlich ab, wie auch gestern schon.Schon bei den Beehives haben wir die 1800 Höhenmeter-Marke erreicht. Im weiteren Verlauf fahren wir uns wieder deutlich tiefer, nicht um nicht wieder auf 1500 Höhenmeter hochfahren zu müssen. Eine Weile halten wir die Höhe. Die Hochgebirgskette, auch Omangebirge genannt, zieht sich von Norden bis hier in den Osten des Landes. Der Ausblick ist sagenhaft. An seiner höchsten Stelle misst es am Jabal Shams knapp 3000 Meter.
Etwa im letzten Viertel beginnt die finale Abfahrt. Die Straßen sind nun nicht mehr gewohnt verhältnismäßig komfortabel und teilweise geht es sehr steil von einer Kurve parallel in die nächste. Für Jürgen muss das ganz schön anstrengend sein, das Fahrzeug in dem Gefälle in der geeigneten Geschwindigkeit zielsicher durch die Kehren zu führen.
Zum Ausklang fahren wir noch in das Wadi Al Arbaeen mit Wasserfall und Pool. Vom Baden in dem tiefen Pool wird abgeraten, die Gefahr des Ertrinkens wäre gegeben. Folgt man dem Fluss, gelangt man unweit an weitere Bademöglichkeiten in schöner Kulisse. Kaum steht man im Wasser, tummeln sich auch gleich Fische um die Füße. Es sind Putzerfische und gehen auch gleich zur Tat über. An die Pools kommen auch die ansässigen Pakistanis zum Wäsche waschen und baden.