Vor der Grenze versuchen wir in Islam Qala noch zu tanken. Eine Tankstelle hat kein Diesel mehr. Die nächste Tankstelle bietet Diesel aus Kanistern an. Jürgen verzichtet, da die Kanister meistens mit Wasser gemischt sind. Unsere restlichen Afghani tauschen wir direkt an der Grenze zu einem guten Kurs in Iranische Rial.
Bei den Afghanen geht die Ausreise gewohnt schnell. Wir müssen lediglich wieder an die Schalter, gegen Vorlage der Pässe und des Road Passes werden wir ausgestempelt. Und weiter geht’s, nachdem Afghanistan ja auch kein Carnet verlangt.
Für heute – Freitag – ist damit schon Schluss. Iran’s Grenze ist aufgrund des Feiertags geschlossen. Wir parken hinter einem Gebäude, das uns zugewiesen wird. Den weiteren Tag nutze ich für Hausputz. Das Auto haben wir auch gleich waschen lassen, um den Schlamm loszuwerden.
Am nächsten Tag fahren wir gleich früh los, noch vor 8 Uhr. Gegen Vorlage des Carnets erhalten wir eine Art Laufzettel, auf der u.a. beantwortet wurde, ob wir Waffen mitführen würden, Scan, Wiegen, … Danach geht es zu dem Gebäude, das wir aus der Ausreise bereits kennen. Wir treffen auf alte Bekannte, den Fixer, den Jürgen aus dem Auto geworfen hat, der Beamte, mit dem ich gestritten habe und den Beamten, der mich Sister genannt hat. Im Anschluss zum Scan, danach zurück zum Gebäude. Jetzt müssen wir unverhältnismäßig lang warten, bis wir die Papiere mit Stempel erhalten. Dann dürfen wir fahren. Werden wieder angehalten, Geld wird erneut verlangt. Und nochmal. Als man denkt, nun hätte man alles bereits hinter sich, gelangt man noch einmal in die Fänge des iranischen Grenzsystems. Wo andere ihr Gepäck zur Kontrolle bringen, wird bei uns das Innere gecheckt, obwohl das in aller Sorgfalt bereits mehrmals geschehen ist.
Nun fahren wir wieder Richtung Qaen. Wir fragen bei einer Tankstelle und können es kaum fassen. Wir können volltanken lassen. Das hatten wir noch nie! Bevor wir in die Wüste Dasht-e Lut fahren, machen wir noch Station in Qaen. Von der Grenze aus sind das etwa 250 Kilometer. In Qaen sortieren wir uns nochmal, Laundry, SIM-Karte, Kfz-Haftpflicht. Nach zwei Tagen machen wir uns dann wieder auf. Bis zum Einstieg auf die Piste sind es um die 500 Kilometer. In Nebandan decken wir uns noch mit Lebensmitteln ein und fahren eine Tankstelle, etwa 25 Kilometer entfernt an, die Jürgen in einer Firma klargemacht hat. Er hat Lkws vor dem Firmentor gesehen und Diesel gewittert. Diesel war nicht zu bekommen, doch seine Nachfrage hat ihn zum Unternehmenschef gebracht, der für uns Diesel bei einer ihm bekannten Tankstelle bestellt hat. Ohne Karte, ohne Bezahlung, geschenkt. Perfekt.
Jürgen und ich freuen uns schon riesig auf die Wüste. Vergangenes Jahr sind wir die Tour nicht gefahren, zu wenig Zeit, Zweitfahrzeug, … Dieses Jahr also. Wir fahren den Zubringer, der schnurstraks durch die Wüste links und rechts führt. Am Einstieg fahren wir südlich die Kaluts entlang auf einem Hochplateau. An der Kante orientieren wir uns bis wir einen Weg hinab finden, den wir aber auch erst mehrmals fahren müssen, um aus dem Labyrinth zu finden. Bis etwa zum südlichsten Punkt dauert es, bis wir auf die ersten Dünen stoßen. Wir müssen uns unseren Weg erarbeiten. Im Ausprobieren sind manche Dünen zu steil, vor allem weil sie Theo auch noch fahren muss. Als wir so richtig in Schwung sind, hören wir von Theo, dass sein Auto eigenartige Geräusche macht. Die beiden Männer sehen beim Check unter dem Auto, dass die Getriebehalterung gerissen ist. Eine Weiterfahrt ohne Eingreifen unmöglich. Jürgen und Theo machen sich daran, mit Seilen das Getriebe an einem Idealpunkt zu fixieren. Wir kommen kaum weiter, nach 1-2 Kilometern hat sich das Konstrukt wieder verschoben. Am nächsten Morgen demontieren sie die Halterung und fixieren erneut. Nun schaffen wir es – von dem südlichsten Punkt der Route – zirka 100 Kilometer quer durch die Ebene, die durchzogen ist von nervigen Wasserbahnen, bis zur Straße zu gelangen.
Am nächsten Morgen fahren wir direkt in den nächstgrößeren Ort, der das schöne palmenbesetzte Shadad ist. Dort finden wir nach mehreren Anläufen den richtigen Mechaniker, der über 6 Stunden an der Lösung werkelt. Ein Tourismusbeauftragter hat uns entdeckt und uns je 100 Liter Diesel an einer Tankstelle zugesagt, wir versorgen uns noch mit Lebensmitteln und fahren noch in der Dunkelheit wieder zurück auf der Straße Richtung Einstieg, wo wir nach etwa 50 Kilometern ein schönes Gebiet mit allerlei Rummel entdeckt haben. Nowruz, das Neujahrsfest wird hier lautstark mit Musik gefeiert. Wir finden einen schönen Platz, an dem wir ein paar Tage bleiben. Auch die Milchstraße und die Abwesenheit des Mondes sind uns hold.